Camouflage
Olaf Nicolai

Schiessle GmbH & Co. KG, Garten- und Landschaftsbau

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Werk

Das mit Rasen und einigen Bäumen bepflanzte Innere einer oval angelegten Auffahrtsrampe zu einer Brücke künstlerisch zu gestalten, war die Aufgabe, der sich Olaf Nikolai stellte. Seine Lösung für das Geländestück, das vollkommen von Straßen umschlossen ist und deshalb in der Sprache der Verkehrsplaner "Auge" genannt wird, besteht in der Idee, es vollkommen neu zu bepflanzen. Und zwar in Form eines Camouflagemusters, wie es für militärische Zwecke auf Uniformen und Netzen zur Tarnung verwendet wird.
Die Camouflage bekommt hier also die Funktion, das Gelände selbst zu tarnen, d. h. es als Natur erscheinen zu lassen. Der paradoxen Idee, Natur künstlich als Natur erscheinen zu lassen, entspricht dabei die Grundstruktur des Camouflagemusters selbst. Denn es ist ein rein künstliches Muster, das sehr wirkungsvoll Natur imitiert. D. h. in dem Muster verbinden sich zwei scheinbar vollkommen unterschiedliche Sphären, nämlich Kunst und Natur, zu einem merkwürdigen "Zwitter", der halb Natur- und halb Kulturprodukt ist.
Genau diesen paradoxen Charakter hat auch das Geländestück selbst. Es ist ein Landschaftsrest zwischen Verkehrswegen und zugleich gestaltete Natur. Es handelt sich um einen modernen "Nicht-Ort", der erst durch die Verkehrsflächen entsteht. Durch die Bepflanzung mit einem Camouflagemuster wird dieser Ort einerseits "getarnt", also quasi naturalisiert, andererseits ist er auf Grund des verwendeten Musters und der aufwendigen Gestaltung - es werden 55000 Pflanzen neu gesetzt - ein Kunstprodukt unserer modernen Welt.
rh

 

Künstler

Olaf Nicolai 1962 in Halle/Saale geboren
1983 - 1988 Germanistikstudium
1992 Promotion (Thema: Geste zwischen
Expression und Kalkül. Zur Poetik der Wiener
Gruppe)
zahlreiche Einzelausstellungen und
Ausstellungsbeteiligungen
lebt in Berlin