Pagode
Ralf Werner

GBH Grundstücks- und Baugesellschaft AG Heidenheim
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Werk

Ebenfalls eine Intervention, also einen Eingriff in eine bestehende räumliche Situation, nimmt Ralf Werner (geb. 1969, lebt in Düsseldorf) vor. Anders als Harald Kröner wählt er jedoch keinen häufig frequentierten Transitraum, sondern ein kleines Gebäude, das alleine am Hang des Heidenheimer Schlossbergs steht. Im Ambiente des Schlossparks wirkt das fensterlose Fachwerkhaus merkwürdig fremdartig, denn offenkundig erfüllt es weder die Funktion eines Pavillons noch eines Toilettenhäuschens. Bei dem rätselhaften Haus handelt es sich um die Pumpenstation eines in den Berg hinein gebauten Wasserreservoirs. Dem Geist der Zeit vor dem 1. Weltkrieg entsprechend hat man dessen technische Funktion jedoch bewusst verschleiert, in dem man es mit einem Fachwerk versah, das an einen Holzpavillon denken lässt. Das Pumpenhäuschen stellt also eine Illusionsarchitektur dar, wie sie bei technischen Gebäude des frühen 20. Jahrhunderts häufig zu finden ist.
Dieser Architektur setzt nun Ralf Werner – im Wortsinne – die Krone auf, indem er die alte Fachwerkkonstruktion exakt kopiert und auf das Dach des Gebäudes setzt. Damit macht er die Idee, die dieser Illusionsarchitektur zugrunde liegt – also den Holzpavillon – erst richtig sichtbar, und realisiert ihn zugleich als wirkliche Architektur, die - auf Grund ihrer Lage - dem Besucher jedoch weiterhin unzugänglich bleibt. Doch mit der Verdoppelung des Fachwerks macht Ralf Werner nicht nur den Illusionismus der ursprünglichen Architektur wahrnehmbar, sondern er verwandelt das Gebäude damit zugleich in eine Pagode, deren Merkmal das Prinzip der (sukzessiven) Wiederholung einer hölzernen Grundkonstruktion ist. Diese Verwandtschaft des illusionistischen Pavillons mit asiatischer Pagodenarchitektur verweist ihrerseits auf die lange Tradition exotischer Illusionsarchitektur in europäischen Landschaftsgärten, wofür der Chinesische Turm im Englischen Garten der Stadt München wohl das bekannteste Beispiel ist.
rh

 

Künstler

1969 geboren in Göppingen
1990-92 Studium der Kulturwissenschaften und der Philosophie an der Universität Bremen
1992-99 Studium der freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Magdalena Jetelová
1997 Meisterschüler
1999 Akademiebrief
  lebt und arbeitet in Düsseldorf