"Die große Rede"
Dragan Lovrinovic

J. M. Voith AG

Dragan Lovrinovic

Bei der visuellen Kommunikation kommt dem Rednerpult - als Symbol der politischen und religiösen Machtdemonstration - eine große Bedeutung zu. Einerseits bietet es dem Redner Schutz, andererseits betont es die obere Körperhälfte, die für Mimik und Gestik zur Unterstützung der Rede wichtig ist. Besonders die mediale Inszenierung von Politik kommt kaum noch ohne ein Rednerpult aus. Je größer es ist und je mehr Mikrofone auf ihm stehen - also je aufwändiger die Inszenierung - desto größer ist meist die Differenz zum Inhalt der Rede.
Der Titel "Die große Rede" verweist auf die Rede selbst, er läßt den Redner in den Hintergrund treten. Gleichzeitig bietet er unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten: Ist er einfach nur ironisch gemeint, braucht es eine "geistige Größe", um hier eine Rede zu halten? Oder erinnert er an große Reden der Zeitgeschichte, so dass das Werk gleichzeitig Denkmal und Mahnmal ist?
Dieses überdimensionierte Rednerpult aus rostfreiem Edelstahl steht auf dem Hauptverbindungsweg zwischen Innenstadt und Bahnhof. Aus dem quadratischen Podest von 4 x 4 Metern ragt es 2,60 Meter in die Höhe. Die vielen poppig bunten Mikrofone mit ihrer "Verkabelung" ebenfalls aus Edelstahl sind schon von weitem sichtbar. Es erweckt den Anschein, als ob eine Ansprache kurz zuvor stattgefunden hat oder demnächst statt finden wird. Einladend führen Treppen auf das Podest. Wer dieser Einladung jedoch folgt, hat es schwer eine Rede zu halten, da er im wahrsten Sinne des Wortes hinter dem Rednerpult steht und komplett von ihm verdeckt wird. Treppe und Geländer entsprechen handelsüblichen Normen, bei der Gestaltung von Pult und Mikrofonen greift Dragan Lovrinovc die Maßstabsvergrößerung der Pop Art auf.

Dragan Lovrinovic

Dragan Lovrinovic