"passagère in vitro"
Jürgen Stimpfig

Maier-Glas GmbH


Jürgen Stimpfig

Die plastische Qualität von Flachglas steht im Mittelpunkt des Werks von Jürgen Stimpfig. Er selbst spricht von "Interventionen" und "Störfällen", die er durch Sandstrahl-Technik in das Glas eingebracht hat. Bei diesem Verfahren wird ein geringer Teil des Glases abgetragen, so dass die behandelte Oberfläche eine matte weiße Struktur erhält: Das Glas ist also an den bearbeiteten Stellen nicht mehr Transparent, sondern opak. Das Weiß der sandgestrahlten Flächen steht in Kontrast zu den kräftigen Farben, die üblicherweise die Schaufenster der Fußgängerzonen dominieren.
Eine über Eck gehende, nur durch eine Tür unterbrochene Schaufensterfront erhält von beiden Seiten in der Höhe von 1,20 m ein schmales Band. Die wie freihändig angebrachten Linien sind nicht genau deckungsgleich und betonen das Innen und Außen - also die Plastizität - der Glasscheibe, gleichzeitig wird die Präsentation der Waren in Oben und Unten gegliedert.
Die Schaufensterscheiben eines anderen Modegeschäfts sind Träger schlagwortartiger Begriffe, wie "Eine Million Mark", "lieblich", "Blutwurst", "Espana", "Gelbsucht" und "Gott", die in keinem Zusammenhang mit der angebotenen Ware stehen. Vielmehr erinnern sie an Werbebotschaften anderer Verkaufsbranchen. Sie symbolisieren aber auch Wortfetzen, die uns trotz der Reizüberflutung im Gedächtnis bleiben.
Bei zwei kleineren Schaukästen ist der Eingriff ins Glas so groß, dass ihre ursprüngliche Zeige- bzw. Präsentationsfunktion aufgehoben ist. Der eine läßt bis auf zwei kleine Rechtecke im unteren Bereich keine Einblicke mehr zu. Dort sind Teile einer Leuchtstoffröhre zu erkennen, deren Licht den ganzen Schaukasten wie verschleiert wirken läßt. Beim anderen ist das Glas von beiden Seiten mit gegeneinander laufenden Spiralen gestaltet, die die Glasscheibe wellenartig bewegt erscheinen lassen.

Jürgen Stimpfig
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