Vorwort  
 

Alles begann mit einem Wunsch, dem Wunsch, jungen, begabten Bildhauern unterschiedlicher Nationalität eine schöpferische Chance zu bieten und das Erscheinungsbild, das Image und die Attraktivität Heidenheims zu fördern. Heidenheim ist eine Industriestadt im Osten Baden-Württembergs auf der Schwäbischen Alb gelegen. Sie ist eingebettet und umgeben von einer reizvollen Natur und bemüht, im kulturellen Bereich durch das städtische Kunstmuseum und die Opernfestspiele und im sportlichen Bereich als eine der deutschen Fechterhochburgen auf sich aufmerksam zu machen. In diesem Kontext ersann eine kleine Gruppe engagierter Bürger eine interessante und für Heidenheim neuartige Idee: die Veranstaltung eines Bildhauersymposions. Es sollte ein Gemeinschaftsprojekt von Künstlern und Wirtschaftsbetrieben sein und die interessierte Öffentlichkeit mit einbeziehen.

Die Grundidee bestand darin, Bildhauern in mehreren Unternehmen Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, um in unterschiedlichen Materialien anspruchsvolle Skulpturen für den öffentlichen Raum realisieren zu können. Dabei sollten die Bürgerinnen und Bürger Heidenheims Gelegenheit bekommen, die Künstler, ihre Motive und ihre Arbeit kennenzulernen. "Wir ergreifen keine Idee, sondern die Idee ergreift uns", hatte Heinrich Heine gesagt. So war es auch mit dieser Idee. Sie ergriff uns, weil sie nach unserer Erkenntnis in dieser Form einmalig war, und weil sie gut zur besonderen Struktur unserer Stadt paßt. Denn Heidenheim verfügt über eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen, die mit den unterschiedlichsten Materialien arbeiten: Metall und Edelmetall, Holz, Stein und Beton, Papier und Pappe bis hin zu textilen Materialien. Neben der Unterschiedlichkeit der Materialien und Technologien waren zwei weitere Ideen ausschlaggebend, die mit der Beteiligung der Unternehmen als Partner zusammenhängen: da viele Unternehmen der Region auf den Märkten der Welt präsent sind und im internationalen Wettbewerb stehen, sollten auch die Teilnehmer am Bildhauersymposion in einem international besetzten Wettbewerb ermittelt werden.

Darüber hinaus stand außer Frage, dass das Bildhauersymposion Heidenheim rein privat finanziert sein sollte, denn dies entspricht unseren Vorstellungen von bürgerschaftlichem Engagement. Es gelang uns, einige Vertreter der Heidenheimer Wirtschaft für die Idee zu begeistern. Das erzeugte Sogkraft. Viele Unternehmer und kunstinteressierte Privatpersonen waren bereit, durch tatkräftige direkte oder indirekte finanzielle und ideelle Mithilfe das Projekt zu unterstützen. Im Februar 1997 wurde im Gästehaus Eisenhof der J.M.Voith AG das Bildhauersymposion Heidenheim e.V. ins Leben gerufen. Nun konnte die Arbeit beginnen!

Um das Symposion auf hohem künstlerischem Niveau zu verwirklichen, baten wir drei im internationalen Kunstleben anerkannte Persönlichkeiten, für uns als Nominatoren zu fungieren und uns für die einzelnen Materialgruppen jeweils fünf Künstler ihrer Wahl zu benennen. Wir konnten Dr. Jean-Christophe Ammann, Direktor des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, Martijgn van Nieuwenhuyzen, Kurator am Stedelijk Museum in Amsterdam, sowie Dr. Harald Szeemann, Kurator am Kunsthaus Zürich und Leiter der "documenta" 1972, für unsere Sache gewinnen. Zusätzlich benannte der Künstlerische Beirat des Vereins, bestehend aus den Bildhauern Franklin Pühn und Jürgen Stimpfig, dem Unternehmer und Galeristen Bernie Fetzer und dem Leiter des Kunstmuseums Heidenheim, Dr. René Hirner, weitere fünf Künstler.

Am 2. Oktober 1997 fand in der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg die Jurierung der zum Wettbewerb eingereichten Projekte statt. Die Jury bestand aus Dr. Karin Frank von Maur, Vizedirektorin der Staatsgalerie Stuttgart, Ellen Seifermann, Leiterin des Kunstvereins Heilbronn und Prof. Dr. Frank-Günter Zehnder, Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. Als Sieger wurden Andrea Ostermeyer, Köln, Rolf Bier, Hannover/Rom, Russell Maltz, New York, Denis Pondruel, Paris und Ingo Vetter, Berlin, ermittelt. In den folgenden sechs Monaten entstanden fünf völlig unterschiedliche Werke, die alle für den öffentlichen Raum bestimmt waren.

Am 19. Mai 1998 trat die Jury erneut zusammen, um einen 1. Preis zu vergeben. Ihre Wahl fiel auf Russell Maltz, New York, und dessen Arbeit "Painted/ Stacked". Am selben Tag wurden die fünf Werke der Stadt und ihren Bürgern im Rahmen eines kleinen Festes oder besser gesagt, eines Happenings, übergeben, das in der Region und weit darüber hinaus viel Beachtung fand. Die Reaktionen waren vielfältig und reichten von totaler Ablehnung über kritisches Wohlwollen bis hin zur Begeisterung. Diese Bandbreite war zu erwarten, denn Kunst im öffentlichen Raum ruft immer kontroverse Reaktionen hervor.

Man mag über Kunst im allgemeinen und die einzelnen Kunstwerke im besonderen denken, wie man will, entscheidend ist: in Heidenheim wurde etwas bewegt. Die Bürger dieser Stadt sehen sich mit moderner Kunst konfrontiert und reiben sich an ihr - und dies nicht hinter Mauern und Türen, sondern im öffentlichen Raum und täglich. Aufmerksamkeit außerhalb des Normalen und des Gewohnten wird erweckt. Diskussionen, auch kontroverse, finden statt und damit auch ein Stück kulturelles Leben. Das ist gut so und wird Ansporn sein, den begonnenen Weg weiter zu gehen, das Symposion zu wiederholen, mit anderen Künstlern an anderen Plätzen und begleitet von neuen, lebendigen Diskussionen.

An dieser Stelle möchte ich allen, die dazu beigetragen haben, daß "Werk 97" gelingen konnte, von Herzen Dank sagen: den Künstlern, ihren Sponsoren, die gezeigt haben, daß auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch Privatinitiative etwas bewegt werden kann und natürlich allen Aktiven im Verein, dem Vorstand, künstlerischen Beirat und technischen Ausschuß.

Gabriele Rogowski

Vorsitzende Bildhauersymposion Heidenheim

   
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